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Kolumbien

Geographie

Die Republik Kolumbien, die nach Christoph Kolumbus benannt wurde (obwohl er nie in Kolumbien war), ist ein Land im Nordwesten Südamerikas. Das Land ist mit einer Fläche von 1,14 Mio. qkm das viertgrößte Land Südamerikas. Es ist es etwa dreimal so groß wie Deutschland. Nachbarländer sind Venezuela, Brasilien, Peru, Ecuador und Panama. Im Norden wird Kolumbien vom Karibischen Meer begrenzt, im Westen vom Pazifischen Ozean. Kolumbien ist das einzige südamerikanische Land, das sowohl an den Pazifik als auch an den Atlantik grenzt. Insgesamt verfügt es über fast 3000 km Küstenlinie, 1600 km am Pazifik, 1300 km am Atlantik.

Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt rund 1800 km (das ist die dreifache Strecke von Köln nach München), die West-Ost-Ausdehnung beträgt ca. 1000 km.

Kolumbien liegt zwischen 12°31‘ nördlicher und 4°13‘ südlicher Breite. Der Äquator verläuft durch den bevölkerungsarmen Süden Kolumbiens.

Kolumbien ist die Heimat von etwa 45 Millionen Menschen. Insgesamt leben hier etwa halb so viele Menschen wie in Deutschland. In Südamerika ist das Land nach Brasilien der bevölkerungsreichste Staat. Allein in der Hauptstadt Bogotá, die 2600 m hoch liegt, leben ca. 7 Mio. Menschen. Weitere Millionenstädte sind Medellin und Cali mit jeweils mehr als 2 Millionen Menschen und Barranquilla mit ca. 1,1 Milliionen Einwohnern. 30 Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. In den östlichen Verwaltungsbezirken, die 54 % der Fläche ausmachen, leben nur 3 % der Gesamtbevölkerung. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von nur einem Einwohner pro Quadratkilometer. Fast drei Viertel der kolumbianischen Bevölkerung lebt in Ballungsgebieten, allein in Bogota lebt fast 1/6 der Bevölkerung. Die meisten Kolumbianer leben in den Tälern der Anden im Westen des Landes. Die mittlere Bevölkerungsdichte beträgt 36 Einwohner je km⊃2; .

 

Es gibt 5 Grosslandschaften

1. das Küstentiefland im Pazifik

2. das Küstentiefland an der Karibik

3. die Anden (Kernraum des Landes)Sie sind in drei große Gebirgsketten geteilt: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere, die von Nordosten nach Südwesten verlaufen und über 5000 m Höhe erreichen. Der Pico Cristobal Colon und der Pico Simon Bolivar sind mit je 5575 m die höchsten Berge. Sie sind von ewigem Schnee bedeckt. Hier liegen auch mehrere, teilweise noch aktive Vulkane. Einer der aktivsten Vulkane Kolumbiens ist der Galeras, der zuletzt im Februar dieses Jahres aktiv war: Er schleuderte eine 1 km hohe Aschesäule in die Luft; 10.000 Menschen wurden evakuiert.
Zwischen den Bergketten fließen die großen Flüsse Rio Magdalena (auf 1500 km schiffbar, mündet bei Barranquilla ins Meer) und Rio Cauca (ein Nebenfluss des Rio Magdalena).

4. das Amazonas-Tiefland

5. das Orinoco-Tiefland
Die beiden letztgenannten Gebiete liegen im Osten des Landes und nehmen zusammen ca. 2/3 der Fläche Kolumbiens ein.

 

Politisch ist Kolumbien in Gliederung 32 Provinzen (Departamentos) und den Hauptstadtdistrikt gegliedert. Jede Provinz hat einen Gouverneur und einen Departementsrat. Das Volk wählt alle vier Jahre.

 

Klima

Kolumbien liegt in der tropischen Klimazone, da der Äquator durch das Land verläuft. Dies sorgt in großen Teilen des Landes für geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen, für ganzjährig hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Niederschläge. Je nach Höhenlage variieren die klimatischen Bedingungen:
bis 1.000 m Höhe: tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 24 und 30°C (tierra caliente) von 1.000 bis 2.000 m Höhe: gemäßigtes Klima mit Temperaturen zwischen 17 und 24°C (tierra tempiada) von 2.400 bis 3.000 m Höhe: kaltes Klima mit Durchschnittstemperaturen zwischen 11 und 17°C (tierra fria) über 3.200 m Höhe: alpines Klima mit Temperaturen unter 12°C (tierra helada)

Es gibt zwei Regenzeiten: im März/April und im Oktober/November, wobei auch in den Trockenzeiten Regen fällt. Die größten Niederschlagsmengen fallen auf der Westseite der Anden: im Süden ca. 3000 mm, im Norden fast 10.000 mm (zum Vergleich Köln: zwischen 700 und 800 mm Jahresniederschlag) Einige Gebiete Kolumbiens gehören mit bis zu 16.000 mm jährlich sogar zu den regenreichsten der Erde.

 

Flora und Fauna

Die riesigen Regenwälder bedecken mehr als die Hälfte der Fläche und zählen weltweit zu den artenreichsten. Kolumbiens Artenvielfalt ist ungeheuer groß, es gehört zu den zehn Länder mit der höchsten Artenvielfalt pro Flächeneinheit: Zwar bedeckt Kolumbien weniger als 1 % der Erde, es lassen sich aber etwa 10 % aller Tier- und Pflanzenarten finden. Damit steht Kolumbien, was die Artenvielfalt betrifft, weltweit auf Platz 2. Hier gibt es 45.000 bis 55.000 Pflanzenarten, darunter allein 3.500 Orchideenarten (das entspricht 15 % aller Orchideenarten weltweit).

Auch die Tierwelt ist sehr artenreich: 3000 Tierarten, von denen man viele noch nicht kennt, darunter mehr als 1700 Vogel- und 358 Säugetierarten sind hier beheimatet. 10 % aller Reptilienarten, darunter zahlreiche Schlangenarten, Alligatoren, Kaimane, Schildkröten und Echsen leben hier. Es gibt Regenwürmer von 1,50 m Länge.

Erst in diesem Jahr wurden bei einer Expedition im Norden Kolumbiens zehn neue Froscharten entdeckt: drei Glasfrösche mit durchsichtiger Haut, drei Pfeilgiftfrösche, zwei Regenfrösche und zwei Stummelfußfrösche.

Im tropischen Regenwald Kolumbiens findet man Puma, Jaguar , Ozelot, Tapir, Wasserschweine, Affen, Faultiere, Gürteltiere, Wasch-, Ameisen- und Brillenbären. Zu den einheimischen Vögeln gehören Kondor, Geier, Tukan, Papagi, Kakadu, Kranich, Storch, Kolibri und viele andere.

 

Landwirtschaft

Etwa 44 % des Landes werden landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukt ist Kaffee, der an den Berghängen zwischen 1000 und 1900 m Höhe angepflanzt wird. Anfang der neunziger Jahre wurden mehr als 1 Million Tonnen im Jahr produziert. Kolumbien ist weltweit der viertgrößte Kaffee-produzent (an erster Stelle steht Brasilien).

Bei der Produktion von Nelken steht Kolumbien an erster, bei Schnittblumen an zweiter und bei der Produktion von Bananen an dritter Stelle.

Weitere wichtige Anbauprodukte sind Kakao, Zuckerrohr, Reis, Mais, Tabak, Baumwolle, Kartoffeln, Getreide, Gemüse sowie eine Vielzahl an tropischen und subtropischen Früchten. Auch Pflanzenfasern wie Sisal und Hanf werden verarbeitet.
Forstwirtschaftlich nutzbar sind Mahagoni, Eiche, Walnuss, Zeder, und Balsabäume. Kolumbien ist der weltgrößte Produzent von Guada-Holz, eine Bambusart, die als Baumaterial verwendet wird. Andere Bäume dienen zur Gewinnung von Kautschuk, Gewürzen, Vanille, usw.

Bodenschätze und Industrie

Kolumbien besitzt große Rohstoffvorkommen. Das Land ist der viertgrößte Produzent von Kohle und Nickel. Daneben hat es Erdölreserven von mehr als 1,5 Milliarden Barrel sowie Erdgasreserven von mehr als 100 Milliarden Kubikmetern. Die Bodenschätze sind die wichtigsten Exportgüter Kolumbiens: Steinkohle und Erdöl machen zusammen etwa 1/3 des Exports aus. Weitere Rohstoffe sind Eisenerz, Gold, Silber, Kupfer, Nickel, Uran sowie Stein- und Meersalz. Kolumbien ist der führende Goldproduzent in Südamerika, verfügt über die größten Platinvorkommen weltweit und ist der weltgrößte Exporteur von Smaragden.

Wichtige Industriezweige sind die chemische und petrochemische Industrie, die Metallverarbeitung, Fahrzeug- und Maschinenbau, Papier-, Gummi- und Textilherstellung.

Bevölkerung

Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, zwei Drittel sind zwischen 15 und 64 Jahren alt und nur 5 Prozent sind älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren, Männer haben heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 67 Jahren, Frauen von 76 Jahren.

Die Bevölkerung setzt sich aus den Nachfahren der Indianer, der europäischen Einwanderer (meist Spanier) und der afrikanischen Sklaven zusammen. Den größten Teil der Bevölkerung stellen mit 53 % die Mestizen, die einen europäischen und einen indianischen Elternteil haben, 20 % sind Weiße, 14 % Mulatten (Mischlinge zwischen Weißen und Schwarzafrikanern), 4 % sind Schwarze.
Nur noch ca.1 % der Bevölkerung wird zu den Ureinwohnern (Indios und Chibcha) gezählt. Diese leben hauptsächlich im Osten des Landes.

Die medizinische Versorgung ist ungleichmäßig über das Land verteilt: Die Küstenregionen und ländliche Gebiete sind benachteiligt. Bedingt durch schlechte Wohnverhältnisse und Mangelernährung sind in diesen Gebieten Krankheiten wie Malaria, Typhus, Tuberkulose und Ruhr weit verbreitet.

Die Amtssprache ist Spanisch. Daneben gibt es etwa 40 Indianersprachen.

Die Religion spielt in Kolumbien eine große Rolle. Mehr als 90 % der Kolumbianer sind Katholiken.

 

Kinder

Die Rechte der Kinder werden fortlaufend verletzt:

6,5 Millionen Kinder leben in Armut.
Von jährlich 988.000 Neugeborenen sterben im ersten Lebensjahr 25.000.
1,7 Millionen Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren arbeiten schon.
2,5 Millionen schulpflichtige Kinder besuchen keine Schule.

Schulsystem

In Kolumbien besteht eine fünfjährige Schulpflicht. Der Besuch der Grundschule wird vom Staat bezahlt und steht allen Kindern offen, aber 20 % aller Kinder gehen nicht zur Schule und fast jedes dritte Kind erreicht keinen Schulabschluss. Der Unterricht wird in Spanisch abgehalten. Neben Mathematik und Naturwissenschaften wird Lesen und Schreiben sowie meist katholischer Religionsunterricht geboten. Die Schüler sitzen alle an einem langen Tisch und lernen nach eigenem Tempo mit Hilfe eines Arbeitsbuches.

In ländlichen Gebieten kann es vorkommen, dass mehrere Altersstufen gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden. Das liegt daran, dass dort viele Schüler besonders arm sind und zeitweise nicht zur Schule gehen können, weil sie arbeiten und Geld verdienen müssen, um ihre Familie zu unterstützen. Sie arbeiten z.B. als Schuhputzer, Bauchladenverkäufer oder Minenarbeiter. Nur etwa die Hälfte der Kinder in Kolumbien geht nach der Grundschule auf die vierjährige weiterführende Schule. Anders als in vielen anderen Ländern werden in den Schulen keine beruflichen Fertigkeiten vermittelt.

Ungefähr 8 % der Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben.

Essen

Kolumbianer essen gerne Fleisch, aber auch Gemüse und Obst. Das reichhaltigste Mahl gibt es mittags.

Ein typisches Gericht ist Ajiaco, eine Art Hühnersuppe. Es besteht meist aus Hühnchen, Getreide, Kartoffeln, saurer Sahne oder Schmand, Kapern und Avocado.

Bandeja paisa ist ein Gericht aus einer bergigen Region namens Antioquia. Es besteht aus Bohnen, Reis, Hackfleisch, Würstchen, Spiegelei, Fladenbrot und Speck und wird in großen Portionen gereicht.

Sport

Der Fußball spielt eine große Rolle, Kolumbien hat bisher viermal an einer Fußballweltmeisterschaft teilgenommen. Daneben sind auch Tennis, Baseball, Radsport und Eislaufen populär.

Berühmte Personen

In Deutschland sind der kolumbianische Schriftsteller Gabriel Garcia Márquez und die Musikerin Shakira bekannt.

Regierung

Kolumbien ist eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident, seit 2002 Alvaro Uribe Velez. Er ist sowohl Regierungschef als auch Oberbefehlshaber der Armee und wird für vier Jahre direkt vom Volk gewählt.
Seit mehr als 40 Jahren gibt es in Kolumbien einen bewaffneten Konflikt zwischen Guerilleros und Militär.

Ursachen dafür sind:

- Ausbeutung und Gewalt
- große wirtschaftliche und soziale Probleme (zunehmendes soziales Gefälle, Drogenhandel,..)
- Korruption der Politiker und Beamten

Vor allem die Bevölkerung leidet unter diesem Konflikt: Jährlich sterben Tausende Menschen, mehrere Millionen Menschen wurden vertrieben und leben in den Armutsvierteln, die am Rand der Großstädte entstanden. Für Menschenrechtler und Journalisten ist Kolumbien eines der gefährlichsten Länder der Welt.