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Sao Tomé

Sao Tomé und Principe

Fläche und Landschaft
Die Republik Sao Tomé und Principe, früher eine portugiesische Kolonie, besteht aus den beiden Inseln Sao Tomé und Principe und mehreren kleinen Inseln vulkanischen Ursprungs. Sie liegt etwa 250 km vor der Küste Gabuns und Äquatorialguineas zwischen 0° und 2° nördlicher Breite. Die Südspitze Sao Tomés reicht bis an den Äquator, die kleine unbewohnte Insel Rolas, die auch als Schildkröteninsel bezeichnet wird, wird vom Äquator durchquert. Principe liegt etwa 140 km nördlich von seiner Schwesterinsel Sao Tomé. Beide Inseln haben zusammen eine Größe von nur ca. 1.001 qkm. Sie sind damit zusammen nur wenig größer als Berlin. Der größte Teil der Bevölkerung lebt auf der größeren und gebirgigen, knapp über 2000 m hohen Insel Sao Tomé. Der Inselstaat ist der zweitkleinste Staat Afrikas. Seinen Namen verdankt Sao Tomé seiner Entdeckung am Tag des Hl.Thomas (Sao Tomé) 1471.

Klima
Das Klima auf Sao Tomé ist tropisch mit viel Regen, hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Trockenzeit dauert von Mai bis September, von Oktober bis April ist Regenzeit. Die Temperatur beträgt immer zwischen 22 und 30 Grad Celsius, vom Meer weht meist eine leichte Brise. Erstaunlich ist, dass es auf einer derart kleinen Insel verschiedene Klimate gibt.

Flora und Fauna
Die Pflanzenwelt in Sao Tomé ist sehr exotisch, da die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze den Pflanzen optimale Bedingungen zum Wachsen bieten. Die beiden Inseln sind zu 75 % mit tropischem Regenwald bewachsen, ab ca. 1000 m geht dieser in Bergwald über. Der Obo-Nationalpark (Obo nennen die Einheimischen den Urwald) im Süden Sao Tomés beherbergt 120 endemische (nur hier vorkommende) Pflanzen, von etwa 55 Vogelarten kommen 15 nur auf Sao Tomé vor und gehören damit zu den seltensten Vogelarten der Erde. Hier gibt es 3 Meter hohe Begonien und einzigartige Orchideen. Da die Holzindustrie hier überhaupt keine Rolle spielt, bietet Sao Tomé noch einen der intaktesten Urwälder der Erde.

Im Norden von Sao Tomé fallen weniger Niederschläge, so dass man hier eine schon fast savannenähnliche Vegetation mit Gräsern, vereinzelten Affenbrotbäumen und anderen Savannenpflanzen vorfindet.

Bei Porto Alegre findet man Mangroven vor.

Auf Sao Tomé und Principe gibt es keinerlei Säugetiere, aber verschiedenste Fischarten, Frösche, Schildkröten, Schlangen, Chamäleons.

Bevölkerung
Auf den Inseln wohnen knapp 190.000 Menschen, die größtenteils afrikanischstämmig sind. Etwa die Hälfte davon konzentriert sich in fünf Städten. Die Hauptstadt Sao Tomé alleine beherbergt schon ein knappes Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes. Trindade und Santana schlagen mit jeweils etwa 7.000 Bewohnern zu Buche und in Santo Amaro leben über 8.000 Menschen. Die höchste Bevölkerungsdichte weist dabei der Distrikt Agua Grande auf, in dessen Einzugsbereich die Hauptstadt des Landes liegt. In Santo Antonio, der „Hauptstadt“ von Principe, leben nur ein paar hundert Menschen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 64 Jahren. Trotz der mit über 7 Prozent ziemlich hohen Rate der Kindersterblichkeit wächst die Zahl der Bevölkerung kontinuierlich um ca. 3 Prozent pro Jahr. Das Pro-Kopf-Einkommen der Menschen ist weltweit das niedrigste überhaupt. Hinzu kommt eine Inflationsrate, die bei knapp 9 Prozent pro Jahr liegt.

Die Bewohner der Republica Democratica de Sao Tomé e Principe sprechen verschiedene Sprachen, die von der portugiesischen Amtssprache bis hin zu verschiedenen kreolischen Sprachen reichen. Die knappe Hälfte der Insulaner spricht „Saotomense“. Bisherige Versuche, diese Sprache als Amtssprache zu etablieren, scheiterten.

Die Menschen auf den Inseln sind eine bunte Mischung aus den Nachfahren der portugiesischen Entdecker, der aus Angola hierher verschleppten Afrikaner, die hier Sklavendienste verrichten mussten und einer großen Zahl von Juden spanischer Abstammung, die hierher deportiert wurden.

Die Bewohner der demokratischen Republik sind nahezu durchgängig religiös. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben. Weitere 10 Prozent praktizieren den protestantischen oder neuapostolischen Glauben. Nur ein Zehntel der Bevölkerung gehört keiner Religionsgruppe an.

Menschenrechte
Probleme in Bezug auf die Menschenrechte sind nicht manifest. Die Stellung der Frau innerhalb der são-toméischen Gesellschaft ist anerkannt. Eine Diskriminierung im öffentlichen Leben ist nicht erkennbar. Die Menschenrechte werden respektiert, es gibt keine ethnischen Konflikte.

 

Schüler und Schulpflicht
Auf Sao Tomé und Principe herrscht eine 4-jährige Grundschulpflicht ab dem achten Lebensjahr. Bei rasch wachsender Kinderzahl konnten die Schulen die erforderlichen Einrichtungen und die nötigen Lehrer nicht mehr zur Verfügung stellen. Die zunehmende Verarmung hält die Kinder vom Schulbesuch ab, weil diese mithelfen müssen, ihre Nahrung auf den Feldern zu beschaffen. Kinderarbeit ist ein weit verbreitetes Übel und schon kleine Kinder arbeiten auf dem Bau und schleppen dort Steine, Mörtel und Ziegel.

Nach der Reprivatisierung der Plantagen sind zahlreiche Kindergärten und auch einige Schulen aus finanziellen Gründen geschlossen worden. Der Jahresbericht der UNICEF gibt die Schulfrequenz mit 66 % der schulpflichtigen Kinder an. Die Analphabetenrate steigt wieder an, nachdem 1994 angeblich 75 % der Bevölkerung lesen und schreiben konnten. Die relativ hohe Zahl der Schreibkundigen täuscht, weil viele Leute wohl einzelne Buchstaben, Wörter und Sätze entziffern oder schreiben können, die rudimentären (schlechten) Kenntnisse erlauben ihnen jedoch nicht, diese Lese- und Schreibkunst praktisch zu verwerten (funktioneller Analphabetismus).

Die UNICEF empfiehlt in der Primarschule ein Schulpensum von 1100 Lektionen pro Jahr, São Tomé kommt auf etwa die Hälfte der empfohlenen Stundenzahl. Der Schulbetrieb ist nur dank einem Zwei- bzw. Dreischichten-Betrieb möglich (morgens, nachmittags und abends).

Zu allem Übel hat man vor einigen Jahren die Pflicht zur Schuluniform eingeführt; je nach Schule und Klasse muss der Schüler entsprechend eingekleidet werden. Dies hat zu lebhaften Emotionen im Land geführt. Immerhin sieht man in ländlichen Gegenden immer noch die meisten Kinder, die oft nur in kurzen Hosen oder einfachen Röcken bekleidet, die Schulbank drücken. Über diese Vorschrift scheint man sich zum Glück großzügig hinwegzusetzen, weil sonst viele Mittellose wegen fehlender Uniform gar nicht die Schule besuchen könnten.

Gesundheit
Die UNICEF schätzt, dass 72% der Schwangeren und 69 % der Kinder unter 5 Jahre wegen Eisenmangel blutarm sind. 40 % der Kinder sollen unter einer Eiweiss-Mangelernährung leiden. Bei den Kindern sind chronische Malaria, Darmparasiten und der nahrungsbedingte Eisenmangel der häufigste Grund für die Blutarmut. Die Mädchen werden häufig schon mit vierzehn Jahren das erste Mal schwanger, weil sie nicht richtig aufgeklärt sind oder weil sie vergewaltigt werden. HIV und AIDS ist ein zunehmendes Problem, wenn es auch bei weitem noch nicht die Ausmaße wie im südlichen Kontinental-Afrika angenommen hat.

Währung
Die Währung in Sao Tome ist Dobra. Ein Dobra entspricht ca. 75ct.

 

Politik
Das Parlament (Assembléia Nacional) hat 55 Mitglieder, die auf vier Jahre gewählt werden. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt und kann sich einmal zur Wiederwahl stellen. Er ist gleichzeitig Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Wahlrecht hat jeder Bürger über 18 Jahren.

Landwirtschaft, Wirtschaft und Industrie
Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig des Inselstaates. Der wirtschaftlich unbedeutende Inselstaat exportiert hauptsächlich Kakao (Anteil 2001: 93 %), außerdem Kaffee, Bananen, Ananas, Palmöl und Kokosnüsse. Diese wirtschaftliche Ausrichtung stammt noch aus der Kolonialzeit. Für den Eigenbedarf bauen die Bewohner Yams, Maniok, Batate und Bohnen an, allerdings müssen 70 % der Nahrungsmittel eingeführt werden. Die Industrie ist kaum entwickelt, sie beschränkt sich im wesentlichen auf die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten. Da die Gewässer um die Inseln sehr fischreich sind, hat der Staat auch Einnahmen aus dem Verkauf von Fischereilizenzen an ausländische Flotten. Exporten im Wert von 2,5 Millionen Euro standen aber beispielsweise im Jahr 2001 Importe im Wert von 20 Millionen Euro gegenüber.

Importiert werden, unter anderem aus Portugal und Frankreich, Nahrungsmittel und lebende Tiere (30 %), Kapitalgüter (21 %) und Brennstoffe (11 %). Wichtigste Exportländer sind Portugal, Angola, Belgien und die Niederlande. Die Auslandsverschuldung lag 2001 bereits bei 260 Millionen Euro, also der Wirtschaftsleistung von über 7 Jahren.

São Tomé und Príncipes Bruttosozialprodukt ist das schwächste der Welt und betrug 2003 556,9 Mrd. Dobra (ca. 50 Mio. Euro); das Bruttosozialprodukt 2003 pro Einwohner lag bei etwa 283 Euro. Für die Zukunft werden Einnahmen aus der Off-Shore-Förderung von Erdöl und -gas erwartet. Des Weiteren scheinen die USA daran interessiert, auf Sao Tomé eine Marinebasis zu errichten.

 

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Wir bedanken uns bei Jens Niermann, der uns freundlicherweise alle Fotos zu diesem Artikel zur Verfügung stellte.

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